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Drei Fragen an...

Dr. phil. Peter Pfisterer, Psychologe FSP

Sie erachten Paul Troendles "Lehrbuch zur Intensiven Dynamischen Kurzpsychotherapie" als diskussionswürdig. Warum?

Paul Troendle beschreibt in seinem Buch eine Therapieform, welche zum Ziel hat, rasch zu den "tiefen Schichten und Geschichten" der KlientInnen vorzustossen. Die Methode wird seit über dreissig Jahren wissenschaftlich untersucht und angewendet und ist durch Videoaufnahmen bestens dokumentiert. Das Buch vermittelt nun einen systematischen Überblick zu Theorie und Praxis. Meines Erachtens könnte das, was hier auf psychoanalytischem Hintergrund aufgearbeitet wird, genauso gut lerntheoretisch betrachtet werden. Gerade jetzt, wo Zeitbeschränkungen für Therapien gefordert werden, könnte diese Methode auch andern Schulen wertvolle Impulse geben.

Sie kennen die Therapierichtung aus Klienten- und Therapeutensicht. Was sind Ihre Erfahrungen?

Diese Art von Arbeit ist für KlientInnen und TherapeutInnen anspruchsvoll, denn der Therapeut/die Therapeutin konzentriert sich ganz darauf, von den KlientInnen zu erfahren, was sie im Moment körperlich spüren. Sämtliche Erklärungen und Beschreibungen, welche wir ja sehr schnell zur Hand haben, werden zur Seite geschoben. Es geht darum, auf den Körper zu hören und so an die tiefen Gefühle zu kommen. Das sind wir uns nicht mehr gewohnt. Indem der Therapeut/die Therapeutin konsequent nach den momentanen körperlichen Empfindungen fragt, sich einzig daran interessiert zeigt, entsteht ein Vertrauensverhältnis, welches den KlientInnen ermöglicht, den Zugang zu den eigenen primären Gefühlen wieder zu entdecken. Das schafft Erleichterung und befreit aus festgefahrenen Strukturen.

Was empfinden Sie als Schwächen oder Stärken des Buches?

Den psychoanalytischen Überbau empfand ich manchmal etwas bemühend, ich selbst komme aus der gesprächstherapeutischen Richtung. Für Nicht-AnalytikerInnen ist es keine einfache Lektüre. Aber Troendle stellt die Methode mit grosser Offenheit zur Diskussion und ich meine und hoffe es, dass diese wichtigen Erkenntnisse einen wegweisenden Einfluss auf die Schulen übergreifende Diskussion der Therapiewirksamkeit haben werden.

Troendle, Paul: Psychotherapie dynamisch - intensiv - direkt. Lehrbuch zur Intensiven Dynamischen Kurzpsychotherapie. Psychosozial-Verlag. 638 Seiten.

Interview erschienen in: Psychoscope. Zeitschrift der Föderation der Schweizer Psychologinnen und Psychologen FSP. Vol. 27 4/2006.


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